Junges Picknick vor Ort

IMG_4495Etwa 100 junge Leute hatten am Sonnabend ihr Abendbrot auf den Marktplatz verlagert. Der „Vor-Ort“-Verein lockt vor allem junge Leute auf die Zerbster Straße in Dessau. Mit T-Shirts möchte man dem Negativimage der Stadt humorvoll begegnen. 

MZ Dessau – Erik Lisso
Den lauen Sommerabend gemeinsam mit Freunden im Freien in Dessau-Roßlau verbringen? Gerade für junge Menschen ist dies oft keine Option, zeigt sich in der Stadt doch immer wieder das gleiche Bild menschenleerer Straßen. „Es ist schade, aber ab 18 Uhr werden hier die Bordsteine hochgeklappt“, sagt Steffen Jäckel. Nach Halle, Leipzig oder Berlin ziehe es ihn am Abend, wie viele andere auch.

Zu zeigen, dass es anders geht und diesem Trend entgegenzuwirken, ist die Absicht der Organisatoren am Sonnabend gewesen. Eine Initiative aus engagierten Dessau-Roßlauern, „Vor-Ort“-Verein, sowie Studenten der Hochschule Anhalt lud zum zweiten Mal zum Marktpicknick auf die Zerbster Straße ein. Ganz gleich, ob mit Picknickkorb, Musikinstrument, Anlage oder Kind und Kegel, auf mitgebrachten Decken, Liegestühlen und Kunstrasen waren den Möglichkeiten bei hochsommerlichen Temperaturen vor dem Rathaus kaum Grenzen gesetzt. „Bei uns ist alles erlaubt – außer Grillen“, lacht Mitinitiator Daniel Kutsche. „Nach der genialen Resonanz zur Premiere im vergangenen Jahr war eine Fortsetzung für uns selbstverständlich“, sagt der Dessauer. Selbst Skeptiker habe man schnell überzeugen können. „Das Leben auf der Straße ist in unserer Stadt einfach dringend nötig“, meint Mitstreiter Alexander Lech. Selber bis vor kurzem Student an der Hochschule, sind für ihn die Ziele nach wie vor die gleichen. „Wir möchten die Menschen dazu animieren, die öffentlichen Plätze stärker zu nutzen.“ Auch außerhalb von Veranstaltungen biete nicht nur der Markt ein großes Potenzial. „In vielen anderen Städten ist das etwas ganz Normales“, ergänzt Daniel Kutsche.

Aufdruck „I love Dessau“

Doch neben dem Picknick und der Belebung der Innenstadt an sich, stehe auch das gemeinsame Miteinander im Mittelpunkt. Generationenübergreifend wolle man die Menschen ansprechen. „Bei uns sitzen Fünfjährige und 50-Jährige nebeneinander beim Picknick“, zeigt sich Lech begeistert. Potenziale zu nutzen, lautet das Motto, welches sich Organisatoren und „Vor-Ort“ auf die Fahne geschrieben haben. Mit T-Shirts mit dem Aufdruck „I love Dessau“ möchte man dem Negativimage der Stadt jedoch auch ein wenig humorvoll begegnen. „Uns geht es darum, Lösungen für diese Probleme zu finden, und nicht die allseits bekannten Ursachen aufzuarbeiten“, ist Alexander Lech überzeugt.

Bei den mehr als 100 Picknickern kann die Aktion überzeugen. So auch bei Steffen Jäckel, der gemeinsam mit Freunden gekommen ist. Veranstaltungen dieser Art finde er wichtig. „Nur so kann man zeigen, dass die jungen Leute da sind.“ Franziska Kaßner hingegen ist mit ihren ihren beiden Kindern auf die Zerbster Straße gekommen. „Die Idee ist toll“, sagt die Dessauerin. Bereits die Atmosphäre beim „Stadt-Lesen“ auf dem Marktplatz sei großartig gewesen, weshalb die junge Familie ihr Abendbrot am Sonnabend kurzerhand dorthin verlagert hat. Doch ob Käse, Wein, Würstchen oder Butterbrote, für die Organisatoren steht auf jeden Fall fest: „Fortsetzung folgt.“ (mz)

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Lässig oder edel, skaten oder tanzen, chillen, plaudern? – Auf Dessaus Marktplatz ist vieles möglich. Testen lässt sich das am Sonnabend, 6. Juni. Zwischen 18 und 22 Uhr sind junge Dessauer zum Picknick willkommen. Jeder, der mitmachen will, bringt eine Decke, Kissen oder seine Sitzgelegenheit mit. Wer Lust auf Live-Musik mit seiner Band, Ghetto-Workout, Live-Graffiti-Writing mit Dosen und Leinwänden hat, kann sich einbringen. Die Organisatoren Joerg Schnurre, Daniel Kutsche und Bastian George sind für Vorschläge offen.

„Wir müssen den Leuten vorleben, nicht mehr nur Konsument zu sein, sondern selbst anzupacken. Der Markt ist eine riesige Spielwiese mit viel Freiraum“, meint Schnurre. „Eigentlich ist es etwas ganz gewöhnliches, dass sich junge Menschen zusammen auf Plätzen der Stadt aufhalten. Das sollte in unserer Stadt nicht anders sein“, sagt Kutsche. „Wir wollen zur Innenstadtbelebung beitragen. Dass es ganz einfach gehen kann, wollen wir zeigen“, so George.

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