Picknick auf dem Markt

Quelle: MZ – Anhalt-Kurier / 16. Juni 2014

VON ULRIKE WOHLFAHRT

DESSAU/MZ – Die Zerbster Straße am Samstagabend? Dessaus Fußgängerzone kann da manchmal ganz schön ernüchternd sein. So fast ohne Menschen. Diesen Sonnabend aber wollten ein junge Menschen zeigen, dass es sie noch gibt in einer älter werdenden Stadt – und dass sie im Stadtzentrum für Belebung sorgen können. Für 19 Uhr hatten sie über Facebook zu einem Flashmob aufgerufen – einen spontan organisieren Treffen.

Blick in die „coolen“ Städte

„Klar ist in Dessau was los, aber das kommt bei weitem nicht an andere Städte hier in der Nähe ran. Irgendwie hat man sich dran gewöhnt, das Wochenende nicht hier zu planen“, sagt Luisa Stark. „Wir sind selbst nicht aus Dessau. Aber Freunde von uns wohnen hier. Von daher wissen wir, dass die meisten Jugendlichen oft gar nicht erwarten, dass es hier auch tolle Veranstaltungen gibt und von vornherein übers Internet nach Events in den coolen Städten suchen“, sagt Freundin Katrin Marik.

Joerg Schnurre, Bastian George und Daniel Kutsche sind solche Sätze eher Ansporn. Die Drei hatten die Idee für einen Flashmob in der Zerbster Straße. „Wie das eben so ist. Man sitzt zusammen, kommt ins Reden und will einfach mal was machen“, sagt Schnurre. „Wir jungen Menschen kommen so gut wie nicht mehr vor im politischen Leben der Stadt“, kritisiert George. „Man hört immer nur, dass kaum noch Junge hier sind und sowieso alle weggehen, weil Dessau-Roßlau nichts zu bieten hat. Das empfinden wir aber als zu kurz gedacht. Hier gibt es genug junge Menschen – und die möchten wir aufrufen, sich zu positionieren, mitzureden und anzupacken. Nur dann kann man auch Veränderungen herbeiführen.“

Über Facebook hatte Schnurre den Aufruf zum Flashmob erstellt. „Als Veranstalter sehen wir uns jedoch nicht. Wir haben lediglich den Anstoß gegeben“, erklären Schnurre und George. Knapp 3 000 Leute wurden eingeladen. Über Facebook wurde die Veranstaltung weiter verbreitet.

Die Vorgabe war einfach: Ab 19 Uhr sollen sich Junge und Jung gebliebene in der Zerbster Straße treffen und das mitbringen, was er oder sie braucht, um sich wohlzufühlen: Decken, Essen, Trinken, Musik, eben alles, was ein gemütliches und entspanntes Zusammensitzen ausmacht. „Wir wollten nichts vorgeben“, sagt Schnurre. Nur gegrillt werden sollte nicht: aus brandschutzrechtlichen Gründen. „Dass jeder seinen Müll wieder mitnimmt, sich friedlich verhält und die Lautstärke im Rahmen bleibt, das hatten wir als selbstverständlich angesehen. Schließlich wollten wir ja positiv auf uns aufmerksam machen.“

Trotz über 200 Zusagen über Facebook füllte sich die Zerbster Straße am Sonnabend aber nur zögerlich. Doch nach und nach kamen junge Leute und Familien zusammen und packten Campingstühle, Decken und sogar Tische und edle Gedecke aus. „Man muss den Leuten auch ein bisschen Zeit lassen. Die meisten werden sich das alles in sicherer Entfernung anschauen und dann dazu kommen“, sagte Schnurre – und gab sich nicht enttäuscht. „Im Laufe des Abends wird das sicher noch ein ordentliches Grüppchen.“

Positive Signale

Schnurre sollte Recht behalten – und war am Ende zufrieden mit der Aktion. „Die Jugend von Dessau-Roßlau hat sich auf jeden Fall bemerkbar gemacht“, sagte der Flashmob-Initiator. „Wir sind da und wollen was bewegen und aus unserer Stadt etwas machen, denn wir leben gerne hier.“20140616-093021-34221023.jpg

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